Wer kennt sie nicht, die Wohnlagen an lauten Hauptverkehrsstraßen mit hoher Feinstaubbelastung und wenig Grün vor der Haustür? Wohnen möchte hier kaum einer! In schrumpfenden Städten stehen diese Wohnungen daher häufig leer. In wachsenden Städten dagegen haben auch diese Wohnlagen aufgrund des angespannten Wohnungsmarktes ihre Nachfrager. Oft sind dies Haushalte, die sich aufgrund ihres geringen Einkommens Wohnstandorte in besseren Lagen nicht leisten können. Zahlreiche Untersuchungen belegen den räumlichen Zusammenhang von niedrigem Sozialstatus und höheren Umweltbeeinträchtigungen wie Lärm, Luftschadstoffe, mangelnde Ausstattung mit Grün- und Freiflächen, bioklimatische Belastungen. Nicht selten sind hiervon ganze Quartiere betroffen. Das Thema Umweltgerechtigkeit gewinnt daher auch in Deutschland zunehmend an Aufmerksamkeit.
Vor diesem Hintergrund bearbeitet das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) seit November 2015 das Forschungs-Praxis-Projekt „Umsetzung einer integrierten Strategie zu Umweltgerechtigkeit – Pilotprojekt in deutschen Kommunen“. Handlungsempfehlungen für ein erfolgversprechendes und zielführendes Vorgehen der Kommunen zur Schaffung von mehr Umweltgerechtigkeit liegen bereits als Ergebnis des ebenfalls vom Difu durchgeführten Forschungsvorhabens „Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum“ vor (www.difu.de, Rubrik Publikationen).
Im aktuellen Forschungs-Praxis-Projekt sollen nun – aufbauend auf diesen Handlungsempfehlungen – zentrale Elemente des strategischen Ansatzes zu Umweltgerechtigkeit an Hand konkreter Planungsvorhaben und Maßnahmen (zum Beispiel Stadtentwicklungsplanung, Stadtumbaumaßnahmen, Freiraumentwicklungsplanung, Lärmaktionsplanung, Quartierskonzepte) in drei Pilotkommunen mit wissenschaftlicher Begleitung modellhaft umgesetzt werden. Das Vorhaben wird vom Difu mit Zuwendung vom Umweltbundesamt (UBA) aus Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) durchgeführt.
Das Difu sucht Kommunen mit mehr als 50.000 aber auch weniger Einwohner/innen, die Interesse haben, von März 2016 bis Juli 2017 am Forschungs-Praxis-Projekt als Pilotkommune mitzuwirken. Die Kommunen sollten nach Möglichkeit bereits konkrete Anknüpfungspunkte für eine Implementierung von Umweltgerechtigkeit in Planungen, Projekte oder Maßnahmen benennen können. Vorausgesetzt wird zudem die Bereitschaft zu einer aktiven Projektbeteiligung. Hierzu zählen vor allem die Zusammenarbeit mit der Begleitforschung des Difu sowie die Mitwirkung an Treffen zum Erfahrungsaustausch zwischen den Pilotkommunen und an einer bundesweiten Bilanzveranstaltung.
Kommunen können ihre Interessenbekundung bis zum 19. Februar 2016 – per Post oder E-Mail an
Deutsches Institut für Urbanistik (Difu)
Christa Böhme
Arbeitsbereich Stadtentwicklung, Recht und Soziales
Zimmerstr. 13-15, 10969 Berlin
boehme@difu.de
richten.
Die Interessenbekundung kann unter www.difu.de (Rubrik Projekte) heruntergeladen werden.
(Quelle: DStGB Aktuell – Städtebau, Vergabe und Umwelt 0316 vom 22 Januar 2016
