Das Statistische Bundesamt (destatis) hat Daten zur Haushaltsentwicklung im abgelaufenen Jahr 2024 im Rahmen der Kassenstatistik veröffentlicht. Dazu hatten wir im Überblick bereits im HSGB Kompakt, Meldung Nr. 72/2025 vom 16.4.2025 berichtet.
Näherer Blick in die Zahlen
Die Betrachtung der Kassenstatistik zeigt deutliche Steigerungen in der Breite der wesentlichen Auszahlungsarten. Insbesondere hielten die Steuereinnahmen mit der Dynamik der Ausgabenentwicklung nicht mit. Das führt zu einer wachsenden strukturellen Lücke in den kommunalen Kassen.
Neben dem Vergleich zum Vorjahr ist auch der Blick über längere Zeiträume aufschlussreich. Hier zeigt sich ein drastischer Aufwuchs der Personalausgaben und eine kräftige Erhöhung der Investitionsauszahlungen. Die Investitionsauszahlungen sind allerdings differenziert zu betrachten, weil sie zum Teil durch eine Ausweitung der Investitionstätigkeit, zum Teil aber auch durch die Kostenentwicklung beeinflusst sind. Dass die Auszahlungen für Zinsen rückläufig sind, ist ein besonderer Erfolg insbesondere der HESSENKASSE.
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Auswertung der Kassenstatistik der Kern- und Extrahaushalte Mio. Euro, Hessen |
Veränderung in % |
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2014 |
2019 |
2023 |
2024 |
Vorjahr |
5 Jahre |
10 Jahre |
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Ausgaben laufende Rechnung insg. |
16884 |
20794 |
27816 |
30437 |
9,4% |
46,4% |
80,3% |
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Personalausgaben |
5054 |
6282 |
8476 |
9164 |
8,1% |
45,9% |
81,3% |
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laufender Sachaufwand |
5056 |
5623 |
8062 |
8952 |
11,0% |
59,2% |
77,1% |
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Zinsausgaben an nicht-öffentlichen Bereich |
548 |
409 |
362 |
447 |
23,5% |
9,3% |
-18,4% |
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laufende Zuweisungen, Zuschüsse, Schuldendiensthilfen |
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an Gemeinden/Gemeindeverbände (insb. Kreisumlage) |
4060 |
5161 |
6185 |
6593 |
6,6% |
27,7% |
62,4% |
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Renten, Unterstützungen und sonstige Geldleistungen |
4662 |
5959 |
7514 |
8203 |
9,2% |
37,7% |
75,9% |
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Sachinvestitionen |
1715 |
2238 |
3612 |
4105 |
13,6% |
83,4% |
139,4% |
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Einnahmen der laufenden Rechnung |
17556 |
22964 |
29872 |
31108 |
4,1% |
35,5% |
77,2% |
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Steuereinnahmen |
8107 |
10379 |
13421 |
13641 |
1,6% |
31,4% |
68,3% |
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Gebühren, sonstige Entgelte |
2424 |
3108 |
4023 |
4418 |
9,8% |
42,1% |
82,3% |
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Finanzierungssaldo |
-438 |
219 |
-1057 |
-3130 |
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Gerade die Auszahlungsentwicklung bei Investitionen ist stark von der Preisentwicklung getrieben. Das zeigt ein Blick in die Preisindices des Statistischen Landesamts für die bei Kommunen häufig nachgefragten Gewerke:
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Zeitraum |
Büro- |
Gewerbliche |
Straßenbau |
Brücken im Straßenbau |
Ortskanäle |
Außenanlagen |
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2014-2024 |
61,4% |
63,5% |
62,9% |
61,6% |
68,2% |
74,0% |
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2019-2024 |
41,9% |
42,2% |
41,2% |
37,7% |
41,6% |
46,7% |
Bewertung der Geschäftsstelle
Deutlich wird: Nicht allein die schwache Wirtschaftsentwicklung verursacht die Verwerfungen in den kommunalen Haushalten. Vielmehr macht sich die hohe Inflation 2022/2023 weiter bemerkbar, etwa bei den Auszahlungen für Sach- und Dienstleistungen und den Auszahlungen für Investitionen. Auch die Tarifabschlüsse und die Besoldungsentwicklung haben der Inflation jener Jahre Rechnung getragen.
Bei den Einnahmen halten die Steuereinnahmen nicht mit der Ausgabenentwicklung mit. Krisensicher weil gesetzlich kostendeckend ausgestaltet entwickelt sich das Gebührenaufkommen, das in etwa mit der Ausgabenentwicklung Schritt hält. Diese konjunkturellen Einflüsse machen sich zwar auch bei den Steuereinnahmen bemerkbar, die dann merklich weniger wachsen. Vor allem aber ist es die Entwicklung der Ausgaben, die zur Tiefe der Haushaltslöcher beiträgt – und damit, wie zu befürchten ist, eben auch auf deren Dauerhaftigkeit. Ein Grund mehr, Entlastungen der Kommunen bei Vorgaben und Standards auf den Weg zu bringen. Denn so geht es nicht weiter.
1.2 Dr.R./Rau/Hö/Ju
