Können und müssen die Rahmenbedingungen im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst weiter verbessert werden? – Das ist Gegenstand der laufenden Tarifauseinandersetzung, für die Verhandlungstermine für 21./22.3.2022 angesetzt sind (jeweils aktuelle Infos des Kommunalen Arbeitgeberverbandes dazu: https://kav-hessen.de/site/kav-hessen/navl/startseite/ ).
Die Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände hat dazu ausgeführt:
„Die Gewerkschaften fordern eine generelle Aufwertung der Gehälter im Sozial- und Erziehungsdienst, obwohl diese bereits überproportional sind, eine Verkürzung der Arbeitszeit um fünf Stunden in der Woche, und trotz 30 Tagen Urlaub zusätzliche freie Tage. „Dass die Gewerkschaften eine weitere monetäre Besserstellung der Beschäftigten als Verhandlungsziel in der Öffentlichkeit fordern, erzeugt ein falsches Bild der tatsächlichen Gehälter. Die aktuellen Monatsgehälter der Erzieherinnen und Erzieher liegen bei rund 3.100 Euro bei Berufseinstieg, im Schnitt verdienen sie 3.800 Euro. Nach entsprechender Beschäftigungszeit beträgt das Monatsgehalt einer Erzieherin mehr als 4.300 Euro. Die Erzieherinnen und Erzieher sind damit übrigens bereits heute die Spitzenverdiener im Vergleich zu anderen Berufsgruppen mit vergleichbarer Ausbildung im öffentlichen Dienst. Hier von einer schlechten Bezahlung und unangemessenen Arbeitsbedingungen zu sprechen, ist daher nicht nachvollziehbar. Zudem steigen die Gehälter der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst bereits regelmäßig im Rahmen der Tarifverhandlungen für den gesamten kommunalen öffentlichen Dienst.“
Diese Einschätzung trifft uneingeschränkt zu.
Zu dieser bundesweit laufenden Tarifauseinandersetzung ein paar Zahlen, Daten und Fakten mit besonderem Blick auf Hessen:
- Wie viel pädagogisches Personal gibt es in Kitas in Hessen? Wie ist die Entwicklung in den letzten Jahren?
Die Statistik „Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und Kindertagespflege in Hessen“ (abrufbar auf der Internetseite des Hessischen Statistischen Landesamts) zeigt in den letzten Jahren einen kräftigen Personalaufbau:
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Jahr |
Pädagogisches Personal (ohne freigestellte Einrichtungsleitung, Verwaltung, Hauswirtschaft und Technik) |
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2011 |
35.435 |
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2016 |
45.220 |
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2021 |
53.462 |
Der Personalaufwuchs von 2011 bis 2021 betrug nicht weniger als 50,9%. Hintergrund sind vor allem kräftige Erhöhungen des personellen Mindeststandards. Waren ab 2001 noch 1,5 Fachkräfte je Kita-Gruppe vorgesehen, wurden die Anforderungen durch Neuregelungen 2009, 2013 und 2020 weiter erhöht.
- Was besagt der personelle Mindeststandard eigentlich?
Der Mindeststandard muss eingehalten werden, damit für die Kita die Betriebserlaubnis nach § 45 Sozialgesetzbuch – Achtes Buch (SGB VIII) erteilt werden kann. Dazu muss u.a. das Wohl der betreuten Kinder in personeller Hinsicht gewährleistet sein.
Diesen Rahmen füllen die Personalstandards des Landes aus. Der Mindeststandard ist in den vergangenen Jahren deutlich erhöht worden. Dass die niedrigeren Standards vorangegangener Jahre das Wohl der Kinder gefährdet hätten, lässt sich aber auch nicht sagen.
Somit sind die Personalstandards in den letzten Jahren weit über den eigentlichen gesetzlichen Rahmen nach § 45 Abs. 2 SGB VIII hinaus erhöht worden.
- Aber es gibt doch Fachkräftemangel beim Erzieherpersonal?
Laut dem verabschiedeten Bündnisplan des Neuen Bündnisses Fachkräftesicherung (S. 4) fehlen in Hessen im Schuljahr 2022/2023 rechnerisch 738-2.854 Fachkräfte in der Kindertagesbetreuung. Hinzu kommen 1.668 Vollzeitäquivalente, die zur Umsetzung des erhöhten Personalstandards nach dem Gute-Kita-Gesetz benötigt werden. Wegen der hohen Teilzeitquote in diesem Bereich dürften diese 1.668 Vollzeitäquivalente weiteren 2.100 Fachkräften landesweit entsprechen.
Also: Ja, es gibt aufgrund der künstlich erhöhten Personalstandards in Hessen einen rechnerischen Fachkräftemangel im Kita-Bereich. Und die demographische Entwicklung der kommenden Jahre – geburtenstarke Jahrgänge gehen in Rente – macht die Nachwuchsgewinnung zweifellos zu einer wichtigen Aufgabe.
Andererseits: Es arbeiten heute wesentlich mehr Fachkräfte in Kitas als noch vor wenigen Jahren.
- Sind Fachkräfte im Kita-Bereich schlecht bezahlt?
Nein, im Vergleich zu anderen Berufsgruppen im öffentlichen Dienst lässt sich diese Behauptung nicht halten. Beispielsweise erhält eine Erzieherin/ein Erzieher mit einer Berufserfahrung von acht Jahren rund 3.800 Euro monatlich und dazu noch die betriebliche Altersversorgung sowie etwaige Leistungsentgelte. Dies zeigt deutlich, dass die kommunalen Arbeitgeber für eine angemessene und auch wertschätzende Bezahlung stehen. Insbesondere die Entgelte von Erzieherinnen und Erziehern sind in den letzten Jahren so stark gestiegen, dass sie deutlich höher sind als in anderen Berufsgruppen im öffentlichen Dienst. Sie liegen zum Beispiel auch oberhalb der Entgelte von Meisterinnen und Meistern, die über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen und zusätzlich einen entsprechenden Fortbildungsabschluss absolviert haben.
In diesem Zusammenhang muss auch bedacht werden, dass die Kommunen auch in anderen Bereichen bis hin zur Wasserversorgung wichtige kritische Infrastrukturen sicherstellen und ein Höchstmaß an Arbeitsplatzsicherheit gewährleisten.
- Und die Kinderzahlen?
Von 2011 bis 2021 stieg die Zahl der in hessischen Kitas betreuten Kinder von 233.930 auf 272.679, ein Plus von 16,6%. Allerdings, siehe oben, war der Zuwachs beim pädagogischen Personal weitaus höher; mit +50,9% nämlich fast dreimal so hoch.
Wir bitten um Kenntnisnahme.
